Geschichte

Mitglieder des Stammes der Aruak waren die Ureinwohner von Jamaika (das aruakische Wort Chaymaka bedeutet „Insel der Quellen"). Christoph Kolumbus entdeckte die Insel 1494 während seiner zweiten Reise. 1509 wurde sie spanische Kolonie. Saint Iago de la Vega, das heutige Spanish Town, wurde 1523 gegründet. Die Stadt war die erste Siedlung und 350 Jahre Hauptstadt des Landes. Die indianische Urbevölkerung starb infolge eingeschleppter Krankheiten und der harten Arbeitsbedingungen aus.
Eine englische Flotte unter der Führung von Sir William Penn eroberte Jamaika 1655. Offiziell wurde die Insel 1670, in den Bestimmungen des Vertrags von Madrid, England zugesprochen. Ende des 17. Jahrhunderts kam eine wachsende Zahl englischer Einwanderer auf die Insel. Die Plantagenwirtschaft entwickelte sich schnell und infolge des enormen Bedarfs an Arbeitern wurden afrikanische Sklaven ins Land geholt. Jamaika wurde zu einem weltweit bedeutenden Zentrum für Sklavenhandel. 1692 zerstörte ein Erdbeben Port Royal, den wichtigsten Sklavenmarkt Jamaikas. Nicht weit davon gründeten die Briten wenig später Kingston. Das Parlament schaffte am 1. August 1838 per Gesetz die Sklaverei ab.
Eine große Zahl befreiter Sklaven verließ die Plantagen und nahm das unbesiedelte Land im Innern der Insel in Besitz; die Wirtschaft wurde dadurch schwer erschüttert. Der Mangel an Arbeitskräften und bankrotte Plantagen hatten eine lang anhaltende Wirtschaftskrise zur Folge. Hohe Steuern, Diskriminierungen seitens der Gerichte und Ausgrenzungsmaßnahmen führten zu einer weit verbreiteten Unzufriedenheit unter der schwarzen Bevölkerung. Im Oktober 1865 kam es bei Port Morant zu einer Rebellion. Die Regierung antwortete mit brutalen Repressalien. Jamaika wurde zur Kronkolonie erklärt und verlor damit das Selbstverwaltungsrecht. 1884 wurde eine parlamentarische Regierung teilweise wieder hergestellt.
Jamaika gehörte zu den britischen Kolonien, die sich am 3. Januar 1958 zur Westindischen Föderation zusammenschlossen. Uneinigkeiten über die Rolle Jamaikas innerhalb des Staatenbündnisses führten zum Auseinanderbrechen der Föderation. Am 6. August 1962 errang Jamaika die Unabhängigkeit. Die JLP gewann die Wahlen vom April 1962. Ihr Führer, Sir Alexander Bustamante, wurde Premierminister. 1967 trat er zurück. Hugh Lawson Shearer wurde sein Nachfolger.
1968 war Jamaika Gründungsmitglied der Caribbean Free Trade Area (CARIFTA, Karibische Freihandelszone). Nach den Wahlen 1972 kam die PNP mit Michael N. Manley an die Macht. Seine linksgerichtete Politik und die offene Freundschaft zu dem kubanischen Regierungschef Fidel Castro spalteten jedoch die Bevölkerung; 1980 wurde er abgewählt. Edward Seaga von der JLP, zuvor Finanzminister, bildete danach eine Regierung. Er löste die Beziehungen zu Kuba und knüpfte enge Bindungen zu den USA. Er versuchte ausländisches Kapital ins Land zu holen. Die schwachen Preise für Jamaikas Erzexporte behinderten die wirtschaftliche Erholung. Im September 1988 verursachte der Hurrikan Gilbert einen auf acht Milliarden US-Dollar geschätzten Schaden; etwa 500 000 Jamaikaner wurden obdachlos. Die PNP gewann 1989 eine große Mehrheit im Parlament; Manley kehrte an die Macht zurück. Vor seinem Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen im März 1992 führte er eine Politik der freien Marktwirtschaft ein. Percival J. Patterson, sein Nachfolger als Premierminister und Anführer der PNP, gewann ein Jahr später die Wahl.